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Life Update: Über Freiheit und mein Leben in Barcelona

Freiheit

Es ist noch gar nicht so lange her, da kam hier auf dem Blog mein erstes Lifeupdate. Lange habe ich quasi fast nichts über mich persönlich auf den Blog gestellt, einfach auch aus Angst, das würde niemanden interessieren oder vielleicht auch um wenig Angriffsfläche für Negatives zu bieten. Das hat sich jetzt jedoch geändert, ich schreibe gerne über mein Leben und mich. Außerdem finde ich auch das Blogs, die manchmal aus dem Leben der jeweiligen Person erzählen viel interessanter und authentischer sind, als Blogs die nur aus objektiven Beiträgen zu Mode, Essen und Lifestyle bestehen. Und so kommt es, dass innerhalb von zwei Monaten nun schon mein zweites Lifeupdate kommt. Natürlich wird das jetzt nicht so weiter gehen und es wird nicht jeden Monat ein Lifeupdate geben, aber ich finde wenn sich was verändert im Leben über das ich auch erzählen möchte, dann sollte ich das tun und das Leben verläuft nun mal nicht linear. Manchmal passiert vieles in kurzer Zeit und manchmal ewig nichts. Und deswegen gibt es heute mein zweites Lifeupdate.

Über  die Freiheit

Barcelona und die Freiheit: Oder warum ich gerade jetzt über dieses Thema spreche?

Erst einmal möchte ich mich entschuldigen. Eigentlich sollte dieser Blogpost am Montag kommen. Ich muss sagen, ich bin fast ein klein wenig stolz auf mich, dass ich es in letzter Zeit geschafft habe so regelmäßig (Montag und Freitag) einen Beitrag mit euch zu teilen. Warum kam also gestern keiner? Wie viele von euch wissen lebe ich in Barcelona und jeder mit einem Fernseher, einem Radio oder einer anderen Verbindung in die Aussenwelt weiß, was zurzeit in Katalonien passiert. Für alle die sich jetzt fragen wovon zum Teufel redet sie eigentlich: Katalonien ist eine autonome Region in Spanien, die sich schon länger eine Abstimmung zur Unabhängigkeit wünscht. Für 1. Oktober war dann nun eine solche Abstimmung angesetzt. Spanien hat jene jedoch für verfassungswidrig also illegal erklärt. Katalonien hat sich diesem Gesetzt aber widersetzt und am Sonntag wurde daher zur Abstimmung aufgerufen. Wobei im Vorhinein schon unzählige Katalanen verhaftet, Wahlurnen beschlagnahmt wurden und und und. Der Grund für diese Maßnahmen im Vorfeld des Referendums war Druck aufzubauen und so eine Abstimmung zu verhindern. Es wurde am Sonntag dennoch abgestimmt. Raus kam ein Ja zur Unabhängigkeit. Dieses Ergebnis entstand auf der einen Seite natürlich aus dem starken Wunsch nach Unabhängigkeit. Aber es ist auch eine Antwort Kataloniens auf die Maßnahmen, welche Spanien ergriff, um die Abstimmung zu verhindern. Viele Katalanen hätten sich eine Abstimmung gewünscht, einfach um abzustimmen. Um vor der Wahl zu stehen. Sie wollte, dass Spanien ihnen die Möglichkeit gibt frei zu wählen. Aber wenn einem das Recht auf eine freie Wahl genommen wird oder man sich eingeschränkt oder unterdrückt fühlt, handelt man möglicherweise manchmal auch aus Trotz. Am Tag des Referendum hat die Spanische Polizei dann mit Gewalt auf die friedlich abstimmenden Katalanen reagiert. Ich möchte aber jetzt auch gar nicht zu politisch werden, sondern meine allgemeinen Gedanken, die mit den ganzen Geschehnissen einher gehen mit euch teilen. Freiheit- Tweet

Was ist Freiheit?

Im Zusammenhang mit den Geschehnissen der letzten Tage habe ich nämlich viel über den Begriff Freiheit nachgedacht. Ich habe mich gefragt, was der Begriff in der heutigen Welt denn bedeutet. Bin ich frei? Und wenn ich frei bin, warum sind andere es nicht? Was bedeutet es überhaupt frei zu sein und kommen mit der Freiheit nicht auch Pflichten? Wie frei kann ich sein ohne andere einzuschränken?
Ich habe mich auch gefragt was ich als Katalane getan hätte? Hätte ich abgestimmt um Unabhängigkeit zu verlangen? Hätte ich abgestimmt um ein Zeichen zu setzten, um zu zeigen dass jeder die Freiheit haben sollte friedlich für Sachen einzustehen? Wir haben viele Freiheiten. Ich habe viele Freiheiten. Ich konnte mit 18 Jahren einfach so in ein anderes europäisches Land ziehen. Mit 22 und 23 wieder in ein anderes. Das ist sowohl Freiheit im Sinne von Mobilität aber auch finanzielle Freiheit. Ich weiß nämlich sehr wohl, dass Freiheit kein freies Gut ist, ein Gut, das sich nicht jeder leisten kann, da es oft mit monetären Mitteln verbunden ist, die man dafür eintauschen muss. Ich habe die Möglichkeit den Bildungsweg zu gehen, welchen ich als besten für mich erachte und die Freiheit zu lernen, mich weiterzubilden. Nicht nur um meine Chancen für später zu verbessern, sondern auch um mich als Menschen weiterzuentwickeln. Ich hab die Freiheit jeden Tag das zu tun worauf ich Lust habe oder eben das nicht zu tun worauf ich keine habe. Ich habe die Möglichkeit stets meine Meinung kund zu tun. Ich habe die Möglichkeit zu wählen. (Für alle Österreicherinnen und Österreicher am 15. Oktober ist Nationalratswahl: Geht wählen und nutzt die Freiheit, die ihr habt: Die Freiheit wählen gehen zu dürfen.)

Auch wenn mit der Freiheit viele Pflichten einhergehen, bin ich jeden Tag, seit Sonntag noch mehr, froh, dass ich all diese Freiheiten und Pflichten habe. Oft erwische ich mich jammern, weil ich mich nicht entscheiden kann ob zwischen Pasta und Curry, zwischen Rock oder Hose, zwischen Laufen gehen oder Fitness Studio, zwischen Master oder Arbeiten, zwischen Stockholm oder Paris. Ich will nicht lügen, es wird sicherlich weiterhin Tage geben an denen ich mich als Gefangene meiner Möglichkeiten sehe, doch möchte ich ganz klar versuchen mir mehr bewusst zu machen, in welcher Freiheit ich lebe. Eine Freiheit, die ich in Europa immer als selbstverständlich ansah. Doch was ich letzten Sonntag gesehen habe, hat sich in mein Gehirn eingebrannt. Ich habe Menschen gesehen, die nicht frei sind. Menschen die nicht das tun können, was ich kann: Für sich einstehen. Friedlich. Ich kann jeden Tag die Person sein, die ich gerne wäre. Ich habe die Freiheit mich neu zu erfinden. Die Freiheit zu denken, die Freiheit mir eine Meinung zu bilden, sie zu ändern, die Freiheit sie kundzutun. Und auch heute ist das ein Privileg. Ein Privileg dessen zumindest ich mir viel zu selten bewusst bin. 

Uni und Barcelona

Nun möchte ich aber zu einem etwas leichterem Thema kommen. Barcelona und die Uni. Ich lebe jetzt schon seit zwei Monaten hier und studiere hier seit einem. Was die Stadt angeht könnte ich zufriedener nicht sein mit meiner Wahl. Das Wetter ist angenehm, das Essen sehr gut, die Stadt aufregend. Ich hab mir tatsächlich am Anfang nicht gedacht, dass es mir so gut gefallen würde, einfach auch weil ich wohnungstechnisch nicht gerade den Sechser im Lotto gezogen habe. Aber dadurch, dass ich so wenig zuhause bin, fällt das auch eher weniger ins Gewicht. Ich versuche so viele wie möglich draußen zu sein, gehe zu fuß in die Uni und gehe auch sonst viel spazieren, einfach um neue Ecken zu entdecken.
Da komme ich auch schon zum anderen größeren Teil in meinem Leben hier, den neben viel Frühstücken, Spazieren und Entdecken, Studiere ich hier auch Vollzeit. Ich muss sagen, die Uni hier is ganz anders, wirklich ganz anders, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Sprich mehr frontaler Unterricht, wenig Diskurs, viele Hausübungen und Überraschungstest. Ja Überraschungstest. Generell ist hier während des Semester sehr viel mehr zu tun, als ich es von zu hause kenne. Ich hoffe jedoch, dass das dann einfach weniger umfangreiche Endklausuren bedeutet.

Was sonst noch so passiert ist

Wie bereits erwähnt, fühle ich mich hier sehr wohl und bin wirklich gerne hier. Ich hab es auch geschafft langsam so etwas wie einen Alltag hier in mein Leben zu bringen, was für mich dann so was wie „Du bist angekommen- das ist kein Urlaub, du lebst hier jetzt“ bedeutet und darüber bin ich sehr froh. Natürlich bedeutet das aber nicht, dass ich nicht manchmal an zu hause denke. Ich freue mich deshalb schon sehr wenn in vier Wochen meine Eltern zu Besuch kommen und wenn ich im November hoffentlich meinen Bruder wieder sehe. Es ist unglaublich wie schnell die Zeit hier vergeht und wenn ich denke, dass ich in 13 Wochen schon im Flieger nachhause sitze, um die Weihnachtszeit zu hause zu verbringen, werde ich auch leicht wehmütig. Ich bin wirklich froh, dass ich so zufrieden und glücklich bin mit der Wahl, die ich getroffen habe und mich einfach wohl hier fühle. Natürlich passt nicht immer alles zu 100% und ich muss(te) auch lernen, dass, obwohl ich nicht so weit weg bin von zuhause, hier einfach manche Dinge ganz anders laufen. Aber das ist ja auch einer der Gründe warum ich so gerne ins Ausland gehe. Um auch einmal über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und zu sehen, dass es mehr gibt als die gewohnte Umgebung von zuhause und man dann auch wiederum Dinge zuhause anders sieht und mehr schätzt.

Was bedeutet Freiheit für euch? Und wie wichtig ist euch eure Freiheit?

Die Bilder sind übrigens am Samstag vor dem Referendum entstanden. Da ich nicht wusste, ob ich am Sonntag überhaupt das Haus verlassen  werde, habe ich den Samstag genutzt und war den ganzen Tag draußen und habe die Stadt und das Wetter genossen. 

xxx Lilli

 

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