Fashion on and on

Minimalismus- Mein Weg und meine Gedanken

less is more

Letztens habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen. Und zwar ging es um ein Thema, mit welchem ich mich schon seit längerer Zeit beschäftige. In dem Artikel stand unter anderem folgender Satz (sinngemäß). „Forscher fanden heraus, dass Probanden, welche dreißig Marmeladensorten zur Auswahl hatten, unglücklicher waren als jene, die nur fünf zur Auswahl hatten.“ Worauf ich hinaus will? Im heutigen Beitrag geht es um das Thema Minimalismus. Ich versuche euch ein bisschen meinen eigenen Weg zu weniger Besitz (ich bin noch lange nicht angekommen) und weniger Konsum zu erzählen. Natürlich bin ich kein Vorzeige Beispiel, da ich immer noch oft unnötiges Zeug konsumiere, aber ich versuche bewusster zu konsumieren und darum geht es mir hier.

Wie der Besitz mich besitzt

Früher galt es für mich wirklich als ein Hobby in Einkaufszentren zu gehen und wahllos (sofern mein Budget es zuließ) einzukaufen. Schwarzes Shirt, kann man immer brauchen, dekorative Schüssel- hab ich eh nur vier. Seit einiger Zeit hat sich das aber geändert. Ob das an den vielen Umzügen liegt oder ob sich generell mein Konsumbewusstsein und mein Drang hochwertigeres, dafür aber weniger, zu kaufen, geschärft hat? Ich kann es nicht sagen. Vermutlich beides. Aber generell, bin ich es einfach leid. Ich bin es leid, mich nie entscheiden zu können (übrigens etwas, wo ich mir sowieso schon schwer tue, auch ohne 108343 Alternativen), ich bin es leid, soviel Ballast im Kopf und meiner Tasche rumzuschleppen und ich bin es leid jedem Trend und jedem Impuls nachzugeben.

Was ist Minimalismus für mich?

Minimalismus ist für mich nicht mit nur vier Unterhosen und zwei paar Socken auszukommen. Es handelt sich bei mir vielmehr darum zu versuchen bewusster weniger unnötige Dinge zu konsumieren und wirklich nur mehr Dinge zu kaufen, die man braucht. Natürlich hat man dann sowieso immer noch zu viel. Ich bin immer noch ein Konsumopfer mit meinen 15 Hosen im Schrank, aber ich würde sagen ich bin definitiv am Weg der Besserung. Auch hier in Barcelona habe ich mit vorgenommen wenig zu kaufen. Das gilt sowieso für die Wohnung, denn alles was ich jetzt an (dekorativer) Einrichtung kaufe, muss ich dann wegschmeißen oder mit heimnehmen. Und das ist für vier Monate wirklich unnötig. Wir waren zwar hier zweimal beim Ikea aber haben nur das allernötigste und davon wenig gekauft, einfach weil ich kein schönes Schüsselchen für meinen Schmuck brauche.

Damals und heute

Wenn ich mich heute mit meinem ich vor zwei Jahren vergleiche, so habe ich bezüglich gewisser Eigenschaften, das Gefühl ein neuer Mensch geworden zu sein. Genauso ist es mit dem Konsum. Ich war ein klassisches Konsumopfer. Ich habe wirklich jeden Blödsinn gekauft und wenn ich mich einmal nicht entscheiden konnte, kam es nicht selten vor, dass ich einfach beides in den Wagen legte. Auch im Onlineshoppen war ich die Königin. (Anbei möchte ich festhalten, dass ich neben meinem Studium immer gearbeitet habe und mir das so auch alles finanzieren konnte. Mal mehr, mal weniger.)

Anfang 2017 habe ich dann angefangen mich mehr mit Qualität und Arbeitsverhältnissen auseinander zusetzten.  Das war auch das erste Mal, dass ich mich aktiv mit dem Thema Minimalismus beschäftigt habe. (Übrigens war mein erster Gedanke hier gleich, ich muss mir ein Buch zum Thema kaufen. Soviel zum Thema weniger kaufen…)  Einer andere Auslöser, ist jedoch keiner der so ehrenhaft ist wie „mir ist Fairness wichtig“ sondern ein sehr opportunistischer: In den letzten zwölf Monaten habe ich in fünf Wohnungen gewohnt, bin also viel umgezogen und jedes Mal war ich verärgert über all die Dinge, die ich in die Kartons packen musste. Und jedes Mal sind mir mehr Dinge untergekommen, die ich Jahre nicht zu Gesicht bekommen habe. Warum hab ich das? Diese Frage habe ich mir mehr als einmal gestellt.

Ich habe mich dann im Frühling 2017 dazu entschieden nach einer Capsule Wardrobe zu leben. Das klappt natürlich hier in Barcelona eher weniger, da ich bereits für zwei Jahreszeiten packen musste. Aber auch das System Capsule Wardrobe und der Gedanke dahinter (einen Beitrag dazu gibt es ganz bald) hilft mir sehr bei einem bewussteren Konsumverhalten. Seit ich nach diesem Prinzip mehr oder minder lebe, hinterfrage ich meine Käufe auch viel öfter.

Brauch ich das- Hey eh nur fünf Euro

Die Frage nach dem Mehrwert, welcher ein Kauf schafft oder schaffen sollte, stellt sich mir immer öfter. „Nein Lilli, 10 Logo Shirts, das ist nicht nötig.“ „Aber es kostet nur fünf Euro- rein in den Wagen“: Hier sei mal dahin gestellt, dass ein fünf Euro T-Shirt kaum fair noch qualitativ hochwertig produziert werden kann. Aber warum brauche ich das? Auch wenn es nichts kostet. Es geht hier weniger (natürlich irgendwie dann doch wieder) um Geld, das ich nicht ausgeben würde, sondern einfach um den tatsächlichen (psychischen) Ballast, den Besitz bei mir auslöst. Ich merke immer mehr, dass mich Materielles oft nur belastet und eher bedingt glücklicher macht. Nicht nur beim Umzug. Auch wenn ich, wie letztens kurz vereise oder einfach jeden Morgen beim Anziehen- Wenn man viel hat, hat man viel Auswahl und auch das kann oft belastend sein. So schön die Tatsache ist, dass wir in einer Welt leben, in der es viel Auswahl gibt, würde ich sagen, dass es sich, zumindest bei mir, oft um eine Reizüberflutung handelt, welcher ich mich ausgesetzt fühle. Deswegen versuche ich immer mehr in sehr gute Basics zu investieren, die man dann einfach gut kombinieren kann.

Wenige, dafür aber langfristige Investitionen

Es fällt mir auch immer mehr auf, dass ich sowieso eher wenig an Dingen hänge und mich leicht von Dingen trennen kann. Jedoch hatte das dann früher zur Folge, dass ich mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich die Dinge dann auch wieder weg geben kann, noch unbewusster konsumiert habe. Heute versuche ich eben in Dinge zu investieren oder mir zu wünschen, die ich gegebenenfalls länger habe und die wirklich einen Mehrwert schaffen. Ich habe zum Beispiel eigentlich nur eine Kette, die ich jeden Tag trage. Das war ein Geschenk von meiner Mama bevor ich nach London zog und hat so eine besondere Bedeutung für mich.

Was ich anstelle von materiellen Dingen konsumiere

Und worin investiere ich sonst so? Anstatt mich mit zu vielen Dingen zu belasten, versuche ich mein Geld und meine Gedanken eher in Momente zu investieren. Auf Reisen sind mir gutes Essen, Museumsbesuche, Wandertouren etc. viel wichtiger als irgendein Souvenir, das ich schnell kaufe und noch schneller vergesse.
Das Ganze soll natürlich nicht bedeuten, dass ich gar nie shoppe, schwach werde oder sonst etwas. Ich konsumiere natürlich. Oft mal zu viel. Aber ich versuche immer mehr bewusst zu konsumieren. Es klingt nach einer starken Einschränkung und viel Commitment, aber tatsächlich kann ich mir nichts befreiender vorzustellen als weniger zu besitzen.

 

Wie steht ihr zu dem Thema? Und wenn ihr auch zu den „ich versuche mein Bestes“ Minimalisten gehört- was sind eure Beweggründe? 

P.S. Die Bilder sind von meinem Roadtrip durch Nordspanien. Mit wenig im Gepäck.

 

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4 Comments

  • Reply
    Tanja
    September 13, 2017 at 7:09 pm

    Liebe Lilli, habe deinen Beitrag gerade auf Facebook entdeckt und bin neugierig geworden. Ja, weniger ist mehr und es ist spannend, wie sich meine Sichtweise verändert hat, seit ich bewusster mit Dingen umgehe. Ich muss nicht immer gleich alles kaufen, was ich sehe. Bewusst nein zu sagen, tut richtig gut Ich investiere stattdessen lieber in schöne Erlebnisse mit meinen Liebsten und Reise an wunderschöne Orte.
    Danke für diesen spannenden Beitrag.
    Liebe Grüsse Tanja
    PS: Tolle Fotos

    • Reply
      lilligoes
      September 15, 2017 at 10:14 am

      Liebe Tanja,

      Erst einmal vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Das bewusste nein sagen und so quasi ein bisschen Konsum zu fasten tut einem wirklich gut und ich finde es wird von mal zu mal leichter. Das ganze heißt ja eben nicht, dass man komplett auf Kosnum verzichten soll nur einfach überlegter handeln sollte.

      Viele Grüße und noch einmal vielen Dank. Viele Grüße, Lilli

  • Reply
    Camilla
    September 14, 2017 at 10:43 am

    Ich habe mir fast die gleichen Gedanken gemacht wie du Lilli! Durch Umzüge wird einem wirklich immer Bewusst wie viel Zeug man hat und wie wenig man davon eigentlich benutzt, bzw gebraucht hat. Ich finde man sollte sich auch viel öfter fragen: „brauche ich das überhaupt?“ bevor man wieder in die Konsumfalle tappt 😀 Ich finde du hast hier auf jeden Fall den richtigen Ansatz auch damit, dass wenn man konsumiert sich dies auch bewusst zu machen und mehr Geld für Erinnerungen auszugeben als für eine kurzfristige Befriedigung.
    Ach und sehr schöne Fotos von dir! Ich hoffe ihr hattet eine schöne Zeit bei eurem Roadtrip <3

    • Reply
      lilligoes
      September 15, 2017 at 10:12 am

      Liebe Camilla,

      Vielen lieben Dank. Es freut mich wenn ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken. Ich denke auch das Hinterfragen oder auch einmal vor einem Kauf noch einmal eine Nacht drüber schlafen, die besten Arten sind dem Konsum entgegen zu wirken. <3

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